I'm Fallin'
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1. Das Bettelarmband


1.

Teil 1/5 Traditionen

Selina bekam damals mit 8 Jahren ihr Bettelarmband. Es hat eine sehr lange Tradition, was man ihm schon ansehen kann. Überall funkeln Ohrringe, Anhänger und andere unbeschreibliche Gegenstände, alles ist eng aneinander gereiht, so dass da kaum noch Platz für mehr ist, selbst ein Kuhglocke ist daran, die ihren Klang schon längst verloren hatte, da es einfach zu voll ist, um zu wackeln. Also baute Selina alles auseinander, um es sortiert auf ein etwas längeres Stückchen daran zu basteln. Jedoch, als sie alles abmontiert hatte, überfiel sie die Neugier und fing an ihre Mutter und ihre Großmutter auszuquetschen, was die Tradition sind, was von wem kam und wieso ausgerechnet das. Ihre Mutter sagte: "Die Ohrringe sind die schönste Tradition, sollte jemand dein Armband anfassen, muss diese Person dir seinen oder ihren ersten Ohrring geben, um es daranzustecken." Selina lachte sehr laut, weil sie daran denken musste, was ihre Tante wohl alles an Ohrringen geben musste, da sie ja schon sehr viele Ohrlöcher hat. Ihre Großmutter erzählte ihr noch: "Jeder, der dieses Armband kriegt, muss jedes Jahr, so wie bei einem Geburtstag, dem Bettelarmband etwas schenken, ein Kettenanhänger oder einfach nur kleine Schlüsselanhänger, Figuren und so."
Selina nahm daraufhin ihre Kette, die sie anscheinend schon seit ihrer Babyzeit tragen muss, da sie sich nicht an eine Zeit erinnern konnte, wo sie es noch nicht hatte, nahm den goldenen Teddybären, der daran hing und tat es zu den anderen Sachen. Anschließend nahm sie alle Sachen und ging hinunter zu ihrer Mutter um heraus zu finden, was sie hinzugetan hatte, nebenbei baute sie auch wieder alle Anhänger an die längere Kette. Ihr Mutter erzählte: "Die kleine Kuh da, siehst du sie? Die hab ich als erstes daran gebaut. Ich hab sie einmal von meiner ehemaligen besten Freundin geschenkt bekommen, sie hat ihn mir gegeben, da ich, während ihrem Österreich Aufenthalt auf ihre Meerschweinchen aufgepasst hatte. Ah, ja, da, ich sehe es. Da ist mein Sternzeichenanhänger, siehst du? Der mit dem Löwen, ich fand ihn so wunderbar, weil er so dominant aussieht, das war mein zweites Geschenk..." Sie erzählte mir noch mehr über die ganzen Anhänger, jedoch waren die nicht so wirklich interessant nur das eine: "... Das Kreuz mit dem schwarzen Kern hab ich von meinem damaligen Freund bekommen, er starb schon sehr früh an einem Gehirntumor und er schenkte mir es an seinem Totenbett." Sie erzählte Selina noch die ganze restliche Geschichte "Es war sehr traurig, wir waren drei Jahre zusammen und er hatte mir schon einen Heiratsantrag gemacht. Es sollte alles so schön werden. Jedoch musste ich auch sehr viel mit seinen Launen klar kommen. Die kamen durch die Kopfschmerzen, wie sich leider erst zu spät rausstellen ließ, die von dem Tumor kamen - Wär er bloß schon früher zum, Arzt gegangen. Aber selbst dann hätte es noch zwei Monate gedauert, da die Ärzte nicht damit gerechnet hatten. Sie dachten, er hätte einfach nur eine starke Migräne und mehr nicht. Als es sich herausgestellt hatte, hatte er es mir zu erst aber verschwiegen, da er nicht wusste, wie ich damit zu recht kommen würde. Er meldete sich daraufhin 2 Wochen nicht mehr - Die schlimmsten zwei Wochen meines Lebens. Als ich ihn dann endlich dazu bekommen hatte, mir es zu erzählen, was los war, hatte ich ihn erwischt, als er gerade vorm Krankenhaus stand, um die Chemotherapie durchzuführen. ich bin in Tränen ausgebrochen, habe um mich geschriehen und war einfach nur noch sauer auf die ganze Welt. Ich war sauer auf die Leute, die die glücklich sind, obwohl doch jemand stirbt! Jedoch bat mich Mike, mein damaliger Freund, darum, sich zu freuen darüber, dass andere mit dem Schmerz zu recht kommen würden. Ich solle mich darüber freuen, dass andere Menschen ein schöneres Leben haben, denn Eifersucht und Zorn würden mich einfach nur als schlechten Menschen darstellen und ich würde für immer einsam bleiben. Anschließend bat er mich darum ein Kind so bald wie möglich, aber unter Liebe zu gebären, dass ich dann "Selina" oder eben "Sam", je nachdem, was du werden solltest, zu nennen, somit hab ich dich Selina genannt und schenke dir die ganze Liebe, die ich damals Mike geschenkt habe. Aber sag das deinem Vater nicht, okay? Nicht, dass er eifersüchtig wird, denn ich liebe auch ihn." Selina war zu Tränen gerührt und nahm sich vor, jetzt auch mal ihre Oma danach zu fragen.


Teil 2/5 Fragen Über Fragen

Selina nahm ihre Anhänger vom Bettelarmband und ging aus dem Wohnwagen, wo sie mit ihrer Mutter wohnt hinaus und ging über den Rasen, es war schönes Wetter draußen und ganz in der Nähe war ein großer Teich, wo sie noch gestern mit ihrem Pony "Tir na n'Og", was auf deutsch so viel wie "Das Land der ewigen Jugend" heißt, schwimmen gegangen war. Ein Onkel von ihr machte Musik mit seiner Schalmei. Sie lächelte ihn mit einem breiten Grinsen an und zeigte ihm ihr bettelarmband, teils noch nicht fertig zusammen gebaut. Er fasste es an und sagte: "Na? Kennst schon alle Traditionen?" Selina grinste noch breiter und antwortete: "Ohrring her!" sein Onkel fummelte an seinem Ohr herum und gab ihr denn ein Ohrring. Er glitzerte blau und rot. "Wow", sagte Selina "Danke!" Sie gab ihrem Onkel ein Kuss auf die Wange und fing an über den rasen zu hüpfen und zu tanzen, ganz nach der Musik, die aus seiner Schalmei kam. Kurz vor dem Wohnwagen ihrer Großeltern hielt sie jedoch an und geriet in tiefe Gedanken. "Wieso nannten die mich gerade Selina? Wieso bekam ich so ein Namen von einem Sässigen?" Sie entschied sich bei ihrer Mutter nach zu fragen, also klopfte sie dreimal an die Tür, sie hat es mit ihrer Oma schon immer so gemacht, das ist ein geheim Zeichen, anschließend kam sie hinein und setzte sich an den Tisch, wo ihre Mutter ihr schon eine Tasse hingestellt hatte, wo sie anschließend kalte Milch einfüllen würde. "Oma?", fragte sie in einem sehr langgezogenen Ton, wie es jüngere halt so tun, um ihre Eltern zu etwas zu bewegen, was nur für das Kind ein großer Gefallen wäre. Anschließend erzählte sie ihr, was ihre Mutter über das Kreuz. Ihre Oma nickte nur ohne ihr ein Blick zu würdigen, als wäre es eine Schande so etwas zu sagen. Anschließend fügte sie noch hinzu: "Aber Oma, wieso gerade Selina? Wieso nicht "sol naciente" oder irgendein anderer typischer Name für Fahrende leute? Wieso gerade Selina oder Sam? Jeder lacht, wenn ich ihnen meinen Namen sage!" Ihre Oma nahm sich ihre tasse mit kalter Milch und setzte sich zu ihr, atmete noch einmal tief durch und antwortete ihr anschließend: "Weißt du, damals da war noch nicht alles so schön und selbstverständlich wie heute, als ich deine Mutter geboren hatte wollte ich sässig werden und nicht mehr weiter ziehen, ich zog deine Mutter groß, wie eine Sässige. Dann bekam sie diesen sässigen Freund und nach seinem Tod wollte ich nicht, dass sie weiterhin noch an das alles erinnert wird, also wurden wir wieder zu fahrende Leute. Irgendwann bekam sie nun aber dich, meine Süße und sie nannte dich halt so, wie ihr damaliger Freund es wollte, deswegen heißt du Selina. Aber hör mal, niemand hat das Recht dich wegen deines Namens auszulachen und sei es doch so, denn steh drüber, denn du bist etwas ganz besonderes, du hast den Namen eines Sässigen, niemand anders hat es hier. Nicht jeder Sässige ist so, wie man sich die immer vorstellt. Sie haben nicht alle Vorurteile. Nicht alle denken, dass alle fahrende Leute Ziegeuner sind. Es gibt zwar Ziegeuner, aber wir sind keine. Die meisten Ziegeuner kommen aus Frankreich, wir kommen aus Irland. Wir sind anständig und wir haben auch keine Läuse, wie man das auch so gerne bei uns behauptet. Es ist ein typisches Vorurteil. Wir wären angeblich unrein, dreckig und alles Ziegeuner. Du aber, Süße, du kannst beweisen, dass es nicht stimmt und du kannst beweisen, dass nicht alle Sässigen menschenhassende Leute sind." Selina grinste wieder breit und nahm sich ihr Bettelarmband wieder zur Brust, um nun auch den Ohrring ihres Onkels daran zu basteln. Ihre Oma strich ihr über ihr Haar und sagte: "Ich bin stolz auf dich, Süße. Du bist etwas ganz besonderes - Jeder ist einzig artig aber du auf deine ganz spezielle Art und Weise. Was denkst du, warum sich jeder freut dich zu sehen? Du sprotzt vor Lebenslust. Bei jeder Melodie, die du hörst möchtest du anfangen zu tanzen. Wir haben dir damals, als du noch ein Baby warst, immer viel Musik vorgespielt und das erste Wort, was du dann konntest war tañer (dt.: "Musik spielen"). Und als du denn das auch schon herausgebracht hattest, hast du immer mit zur Musik gesummt und hast versucht zu tanzen. Deine Mutter hätte dich wohl Baile (dt.: "Der Tanz") genannt, wär da nicht Mike gewesen, er wär ein toller Vater gewesen, aber deiner ist auch ein toller, das wollen wir hier nicht außer betracht nehmen" Selina fragte dann noch ihre Oma, was sie denn alles an das bettelarmband getan hatte.


Teil 3/5 Die Familie

"Was hast du denn alles an...", begann Selina, doch eine laute Klingel läutete, das Zeichen, um Essen zu kommen. "Später, Süße", sagte ihre Oma daraufhin und ging mit Selina wieder über den Rasen zum Wohnwagen von ihrer Tante, der genau neben dem von der ihrer Eltern stand. Dort war ein langer Tisch aufgereiht, mit ganz vielen Stühlen. Auf einen von denen saß meine Urgroßmutter, sie war nicht mehr die jüngste und jeder glaubte, es sei ein Wunder, dass sie noch lebte, da sie schon so alt ist, aber sie kann kaum noch reden und gehen. Da diese große Familie aber nicht genügend Geld für ein Rollstuhl haben, tragen sie immer zwei Männer herum. Selina's Vater, Ver las estrellas und sein Bruder, Apagado, er schenkte Selina sein Ohrring, hatten das heute übernommen und saßen direkt neben der Urgroßmutter, Ser un perro viejo. Selina lief zu denen und umarmte ihren Vater mit einem folgendem Kuss auf die Wange. Ihr Vater nahm sie auf den Schoß und fing an sie zu kitzeln. "Pfeif, wenn du nicht mehr kannst", lachte er. Selina versuchte den Mund zu spitzen aber das einzige, was an Geräuschen aus ihr kamen war ähnlich wie ein Schnauben. "Ich hör dein Pfeifen nicht!" - "Hör auf, bitte!", kreischte Selina, die kaum noch Luft bekam. Er lies sie aber erst hinunter als Selina's Mutter kam und sagte: "Hört auf ihr beide, wir wollen essen" Derweilen waren auch schon alle anderen da. Ihre ganze Familie saß um sie herum, wie bei einer großen Familienfeier, doch für Selina war das nichts Neues, zwar etwas Schönes, aber nicht wirklich besonders. Sie liebte es.
Während des Essens brach auch schon der Abend ein, es wurde leicht frisch, so dass Selina sich nach dem Essen erst einmal ihre Jacke aus dem Wohnwagen holte. Ihre beste Freundin und Cousine Sidonie lief ihr hinterher und fragte sie: "Was trägst du eigentlich die ganze Zeit mit dir herum? Darf ich mal sehen?" Selina meinte nur knapp: "Bettelarmband. Ein anderes mal!" und ging in den Wohnwagen.
Als sie am Tisch zurückkam waren alle jüngeren, vor allem das Baby ihrer ältesten Cousine schon im Bett und schliefen, die Frauen waschten ab und unterhielten sich, die Männer spielten Musik. Der Eber Ossie kam an und wollte die Reste essen, jedoch lies Selina ihn nicht, sie streichelte ihn und umarmte ihn wild, anschließend tanzte sie mit ihrem Cousin zu der Melodie von den Älteren. Als sich so langsam die Situation milderte, die Schalmeien und die ganzen anderen Instrumente auf ruhigere Melodien getrimmt wurden, die Frauen sich wieder zurück an den Tisch gesellten setze sich Selina zu ihrer Oma und wollte sie nun endlich über ihre Anhänger fragen: "So, Oma, jetzt möchte ich wirklich endlich einmal wissen, was du denn alles an das Bettelarmband gesteckt hast!" "Setz dich", sagte ihre Oma "Aber hör mir auch richtig zu!"
Selina legte ihr Bettelarmband auf den Tisch und baute nun wieder alle Teile daran. "Diese Rose habe ich von deinem Opa geschenkt bekommen, kurz bevor wir uns verlobten, nicht mehr als 10 Minuten davor. Er traute sich die ganze Zeit nicht. Ich dachte schon, er wär mir fremd gegangen, als ich dann aber alles hörte war ich nicht nur glücklich, nein, meine Süße, ich war erleichtert und nichts auf der ganzen weiten Welt konnte mir mein Glück jemals nehmen. Es war für mich der schönste Augenblick meines Lebens - Später kam dann halt noch die Hochzeit, die ich niemals wieder vergessen werde. Wir haben hier geheiratet, vor ungefähr 40 Jahren, so genau nehmen wir es nicht mehr, es ist zwar etwas besonderes, aber deswegen sollte man nicht alles andere um einen herum vergessen."
Nun allmählich brach auch die Nacht an und ihr Ver las estrellas und Apagado machten ein kleines Lagerfeuer. Selina liebte alles an den Sitten und den Bräuchen ihrer Familie. Sie hat jeden um sich. Ihre Tiere, ihre Familie, ihre Freunde, einfach alles. Selina lauschte weiterhin dem Knistern der Tannennadeln im Lagerfeuer, der Melodie ihres Großvaters und der Stimme ihrer Großmutter. Die beiden waren das glücklichste Paar, dass sich Selina je zu vorstellen gewagt hatte. Ihre Oma zeigte nun auch auf die Glocke, die Selina gerade daran basteln wollte und schlurchzte tief. "Das, meine Süße, werd ich dir ein andern mal erzählen, es ist schon spät und du musst noch deine Tiere versorgen. Also los jetzt." Sie lächelte Selina an, auch, wenn Selina nicht wirklich wollte, da sie schon immer auf die Geschichte über die Glock interessiert war, jedoch wusste sie, dass es einfach nicht gut ist sich den Älteren zu wiedersetzen, da sie ja sowieso gewinnen und da es einfach nur die Ehre beschmutzt.

Teil 4/5 das Grab

Als Selina am nächsten morgen erwachte, stand ihre Mutter vor ihr und sagte: "Zieh dir etwas warmes an, draußen ist es kalt" Selina schaute aus dem Fenster und sah, dass es noch dunkel war. "Wie spät ist es? Was machen wir?", fragte sie verwirrt und müde zu gleich, bevor sie sehr laut gähnte. "Es ist 1 Uhr", antwortete ihre Mutter und machte sich ein Zopf. "Wir sind dort, wo du noch niemals warst und unsere Familie überhaupt sehr lange nicht mehr war, hier ist etwas sehr grausames einmal passiert, alles genauere erzählen wir dir aber nur, wenn du aufstehst und rauskommst. Bitte weck auch mal Samhradh" Sie ging aus dem Wohnwagen hinaus. Samhradh war Selina's älterer Bruder. Selina drehte sich zu ihm um und weckte ihn, die beiden schlafen in einem Bett, was im Winter schön und im Sommer unertragbar ist, aber die beiden haben sich schon daran gewöhnt. Samhradh redet nicht sehr viel mit Selina. Er ist eigentlich das Kind von einer deren Tanten, die jedoch starb, also zog Sciamhach, ihre Mutter, ihn mit groß. Selina schüttelte ihn, wie ein Apfelbaum. Samhradh wurd nur ganz langsam wach. Dann murmelte er irgendeinen Stuss vor sich hin, rieb sich seine Augen und gähnte auch noch dazu, so dass Selina kein einziges Wort verstand. "Steh auf, Samhradh, steh endlich auf! Mama will uns etwas zeigen!" So zog sich Selina an und ging hinaus.
Sie hörte Musik aus der Drehleier ihrer Mutter, sie konnte das echt wunderschön spielen. Selina war jedoch zu kalt um zu tanzen und hüpfte auf einer Stelle herum. "Was ist denn los? Wieso sind wir hier?", fragte Sadhradh, der so eben aus dem Wohnwagen kam. "Kommt hier her", sagte ihre Mutter "aber seid ruhig!" Selina rannte mehrfach gegen etwas großes und einmal stolperte sie auch über irgendetwas, was es war, erfand sie erst, als sie bei ihren Eltern ankamen, die ihnen die ganze zeit mit einer kleinen Kerze zeigten, wo sie hin müssten. Sie waren direkt auf einem Friedhof. "A-a-a-ber-", stotterte Selina, als sie auf den Grabstein etwas gelesen hat. "das ist ja eine unserer Familie... Mama, wer ist das?" "Das ist die Schwester deiner Urgroßmutter", antwortete ihre Mutter "sie starb mit 20 Jahren" "Oh" war das einzige, was Selina noch herausbekommen hat. "Hier, streu das über ihr Grab!" Selina bekamm eine Handvoll mit Kräutern und Blumenblätter. "Zeig ihr deine Ehre" Selina streute verteilt über ihr ganzes Grab die Kräuter und Blumenblätter. "So, nun knie dich nieder und denn leg dich schlafen, ja?" Selina nickte kurz und rannte rein, zog sich wieder ihren Pyjama an und legte sich in ihr Bett. jedoch bevor sie wirklich einschlafen konnte dachte sie noch nach, was wohl mit ihr passiert sein konnte... Aber schon nach zwei Minuten schlief sie wieder ein, mit dem Bewusstsein, dass sie morgenfrüh wieder an einem anderen Platz sein würde, jedoch wo es ist interessiert Selina nicht mehr wirklich. Eine zeitlang hat sie immer nachgefragt, wo sie denn diesmal hinfahren würden, aber Selina kennt schon so viele Orte, dass sie sie nicht mehr zählen konnte.
Am morgens wachte Selina auf und bemerkte, dass sich der Wagen immer noch bewegte. Sie kuschelte sich noch weiter an Samhradh an. Dann dachte sie wieder an die Nacht und musste sofort aufstehen, um sich zu ihrer Mutter zu setzen. Sie fragte sie: "Mama, was ist denn nun mit der Schwester meiner Uroma passiert?" "Chielo", antwortete ihre Mutter, um Selina den Namen zu sagen "Frag deine Oma, aber zu erst frühstückst du, in Ordnung? Wir sind gleich da, also zieh dir anschließend auch etwas anderes an." "Ja, wird gemacht", sagte Selina, leicht trauig darüber, dass sie es immer noch nicht erfahren wird, sie hat ihre Oma noch so viel zu fragen, seitdem sie ihr Bettelarmband hat, wem gehört die Glocke? Was tat ihre Großmutter daran? Was ist mit Chielo passiert? Wieso starb sie schon mit 20?
Sie beeilte sich. Als sie fertig war mit Essen und umziehen hielten die Wagen auch. Selina nahm ihre Füße in die Hände und rannte über den neuen Platz, den sie noch nie gesehen hatte und bestaunte die riesigen Bäume, sie rannte jedoch dabei weiter, immer weiter und kam endlich bei ihrer Großmutter an, sie klopfte wieder dreimal an die Tür und trat ein. "Oma, jetzt will ich es wissen und kein zurück mehr! Wem gehört die Glocke? Was hast du an mein Bettelarmband gemacht? Was ist mit Chielo passiert? Wieso starb sie schon mit 20? Oma, bitte sag schon!" "oh je...", antwortete die Großmutter "Setz dich erst mal hin und dann erzähl ich dir alles, aber bitte eins nach dem anderen!"

Teil 5/5 Die Nazis

"Also, wo soll ich nur anfangen? Meine Tante, deine Urgroßmutter, die eigentlich nicht wirklich deine Urgroßmutter ist, sondern deine Urgroßtante, wurde in der Nazizeit geboren, als sie sechs Jahre alt war, starb ihre Mutter und ihre Schwester, die da schon 20 war, hat sich um sie gekümmert. Als sie dann mal mit ihrem Pony ausgeritten ist und nach Hause kam, war unser ganzer Platz leer gefegt, überall lagen tote Leute herum. Frauen knieten neben ihren Männern und schriehen laut und weinten. Kleine Kinder liefen umher und suchten ihre Eltern, also lief sie schnell zu Chielo in den Wohnwagen, alles lag auf dem Boden zerstreut, Teller, Tassen, Messer, Blut, Kleidung, Glasscherben, Schränke, wirklich alles. Sie wühlte durch die ganzen Sachen und suchte Chielo. Sie schnitt sich ihre Hände durch die Scherben auf. Als dann plötzlich ein lauter Schrei kam und sie zu der Quelle lief, sah sie, wie Nazis sie gerade erschossen hatten. Sie schrie nach Hilfe, nach Vergebung und starb. Die Kleine schaute mit weinenden Augen zu den Nazis auf, die ihr dann, als sie sich umdrehen wollte, um wegzurennen, schossen sie ihr direkt in den Rücken, zum glücklich kein tötlicher Schuss, aber sie war seit daan Querschnittsgelähmt und wie du siehst lebt sie immer noch."
Selina schaute, als würde alles direkt vor ihren Augen ablaufen, ihr liefen kleine, leise Tränen über die Wangen, die sie sofort wieder wegstrich.
"Damals war ich noch nicht mal ein Jahr alt, sie fanden mich auf dem Boden liegend unter dem Schutz von Chielos Bauch, sie hielt mich fest in ihren Armen. Und das, was sie in ihrer einen Hand hielt, die meinen Kopf schützte, war die Glocke, die du an deinem Bettelarmband trägst. Sie war voll mit Blut. Sie gaben es mir, als ich 8 Jahre alt war und das war mein erstes Geschenk für dein Bettelarmband. Und die restlichen Geschenke, zum Beispiel diese Rose, hab ich dir ja schon einmal erzählt."
Selina traute ihren Ohren nicht. Nazis, wieso gibt es solche Menschen? Wieso haben Menschen so viele Vorurteile, sie wollte so gern mehr wissen, doch diese Fragen konnte selbst ihre Großmutter ihr nicht erzählen. Selina war traurig, über das, was Menschen anderen antun. Ihr ganzes Wissen stecken sie in Sachen, die die restliche Bevölkerung umbringt. Waffen, Bomben und andere Nahkampfwaffen. Menschen waren grauenvoll und Selina ist glücklich eine Fahrende zu sein, denn die Sässigen sind unmenschen. Es gibt leider nur viel zu selten noch fahrende Leute heutzu Tage, die meisten fahren mit LKW's umher oder mit richtigen Wohnwagen, diese gruppe Fahrender, sind noch richtige Fahrende Leute, sie fahren mit richtigen Kutschen, in denen sie leben, deren Wohnwagen sind unmobilisiert. Größter Teil von ihnen stammt aus Irrland, einige aus Spanien und ein paar aus Italien, ihre Sprache ist teils irisch, spanisch, italienisch oder auch latein. Selina weinte, weil es alles so unfair ist.
"Nein, denk nicht daran, Selina, nicht alle Sässige sind unfair sprich keine Vorurteile, weil du von Vorurteilen ertränkt wirst. Es ist selber nicht in Ordnung. Gehört, Süße? Sag das nicht, komm her!" Jedoch rannte Selina hinaus aus dem Wagen ihrer Großmutter, setzte sich auf ihr Pferd und ritt davon, um nachzudenken. In den darauf folgenden Jahren band sie noch eine Erinnerung an ihren zwanzigsten Geburtstag, an ihre Hochzeit und an der Geburt ihrer Tochter.
Das, meine Süße, die Selina, von der ich dir erzähle, dass bin ich und heute ist dein achter Geburtstag, somit kriegst du das Bettelarmband und nun komm mit raus, wir feiern dein Geburtstag, wir wollen dich auf deiner Muntharmonika hören und dann tanzen wir ein wenig um das Feuer. Zeig, was du drauf hast, nun komm schon. Aber versprich mir bitte auch, dass du dies immer weiter gibst. Diese Geschichte und dieses Bettelarmband. So, aber nun komm, ja? Draußen warten alle auf dich, sie wollen dir dein Geburtstagsgeschenk geben, dein Pony, auf das du schon so lange wartest - Tir na n'Og - sei aber vorsichtig mit ihm, er ist schon sehr alt.

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